Seit Ende der 1990er Jahre entsteht meine Malerei in einem offenen Arbeitsprozess. Ich beginne selten mit einer Vorstellung vom fertigen Bild, sondern vertraue dem Dialog mit Farbe, Form und der entstehenden Bildfläche. Im Verlauf des Malens werden Schichten aufgebaut, verändert und verworfen. Das Bild entwickelt eigene Forderungen, auf die ich reagiere, bis sich eine stimmige Ordnung herausbildet.
Meine Arbeiten wollen nichts illustrieren. Die langjährige Beschäftigung mit Landschaftsästhetik prägt sie bis heute – nicht als Darstellung von Landschaft, sondern als Aufmerksamkeit für Atmosphäre, Rhythmus und räumliche Wahrnehmung.
Natur erscheint deshalb nicht als Motiv, sondern als Erinnerung. Formen können an Pflanzen, Blüten, Wasser, Gestein oder textile Strukturen erinnern, ohne sie abzubilden. Es sind Nachklänge von Wahrnehmung, die sich im Malprozess zu einer eigenständigen Bildwirklichkeit verdichten. Mich interessiert der Moment, in dem Farbe und Form beginnen, ein Eigenleben zu entwickeln und im Betrachter Assoziationen wecken, ohne auf eine eindeutige Bedeutung festgelegt zu sein.
ZWEI STIMMEN ÜBER DIE ARBEIT
„Dirk Scholz erfindet Regeln, die nicht im Gedanklichen in Kühle münden.“
— Lilo Rinkens
„Malerei ist für Dirk Scholz das Tor in eine andere Welt, die von Freiheit und Poesie geprägt ist.“
— Alexander Fluhr
EIN BEISPIEL AUS DER PRAXIS
aus: HORNER-Magazin, Bremen, Juli/August 2018
WEITERFÜHRENDE TEXTE
aus: Kunst im Landesamt für Vermessung und Geoinformation, München 2008
Dirk Scholz
Gelegentlich Einfach - Bildsequenzen
Dezember 2002 - Januar 2003
Aus der Ansprache von Lilo Rinkens zur Eröffnung
“Die Bilder von Dirk Scholz sind gefühlvoll, überlegt konzipiert, chaotisch, spontan, einfach, komplex, listig.
So begann ich meine Eindrucksammlung um einen Anfang zu machen und mir wurde klar, dass ich sie sehr lange weiterführen könnte, wollte mich aber für den heutigen Abend nicht verlieren im Meer der Entdeckungen. Während ich also sammelte, war ich erstaunt, wie gegensätzlich diese Wahrnehmungen doch sind, wie sie aber auch gleichzeitig zutreffen.
Der Künstler arbeitet gefühlvoll: er geht mit Emotion vor, da ist immer der Träumer, der Farbengenießer, der sich selbst überraschende Dirk Scholz am Werk. Er arbeitet überlegt: ein Regelwerk ist da: Reihen, Überdeckung von Reihen, Wiederholungen von Punkten, Quadraten, Flächen, Streifen, Einhalten von selbst gegebenen Vorschriften.
Er arbeitet chaotisch: Reihen werden unterminiert, Regeln gebrochen aus Gründen der Sinnlichkeit oder der inneren Richtigkeit, oder es werden neue Gesetze erfunden, die vielleicht nur eine Bildtafel oder eine Zeile lang halten, die dann wieder von neuen Einfällen belagert werden.
Er arbeitet listig: der Betrachter denkt, dass er das Gesetz begriffen hat und spürt, dass er hereingelegt wurde. Das ist übrigens nun wirklich ganz und gar meine Interpretation, die ich mir da erlaube, ich glaube nicht, dass der Maler sich als listig empfindet oder vielleicht doch? Ich sehe es nun mal so und meine es durchaus als Kompliment.
Er arbeitet einfach: es wirkt einfach, einfache Elemente werden benutzt, fast Muster, aber aufgepasst, es ist sehr differenziert, raffinierte Farben erscheinen neben - und übereinander, kleine und große Formen oder Systeme überlappen und verhüllen sich.
Er arbeitet spontan: impulsiv sind Rhythmen entstanden, die über die Ränder hinaus weisen, Ausschnitte aus größeren, vielleicht ins Endlose gehenden Zusammenhängen, Rhythmen, die schwanken, wieder auftauchen, sich verlieren. Spontan sind die Entscheidungen für bestimmte Farben, die jetzt unbedingt mit anderen Farben zusammen sein sollen.
Woher speist sich das alles? Landschaft, Pflanze, Blüte, Wasser, wertvolle Stoffe im wahrsten Sinne des Wortes. Wenn Sie durch die Ausstellung gehen, werden Sie vielleicht fühlen, dass hier die Quellen liegen.
Dirk Scholz ist ein Maler, der Ruhe, Meditation, Einfachheit sucht und in der Einfachheit die Fülle; der Regeln erfindet, die aber nicht im Gedanklichen in Kühle münden, sondern in neue prächtige Landschafts- und Blütenmeere und, wenn Sie jetzt glauben, ich hätte Ihnen von Kaisers neuen Kleidern gesprochen, dann versuchen Sie es doch bitte für eine Weile und lassen Sie sich in so ein Blütenmeer fallen, sollten Sie etwas vom Geruch der Pflanzen gespürt haben oder von der Weichheit eines Stoffes, wäre es wunderbar, sollten Sie aber wo ganz anders hingeraten sein beim Betrachten der Bilder, auch gut.”
Künstlerbuch von Alexander Fluhr 2006:
“Höchste Steigerung von Subjektivität führt zur Auseinandersetzung mit universellen Themen... Dirk Scholz sieht sich als eine Art Glückssucher zwischen persönlicher, individueller Beteiligung und allgemeinen Ideen in seiner Arbeit... Die Arbeiten... behalten... immer eine gewisse Offenheit, zeigen aber gleichzeitig eine erstaunliche Bestimmtheit... Malerei ist für Dirk Scholz das Tor in eine andere Welt, die von Freiheit und Poesie...”